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Ein Blick auf die gegenwärtige Musiktheaterlandschaft im deutschsprachigen Raum eröffnet ein facettenreiches Bild: Auf den Spielplänen der Opernhäuser dominiert einerseits das traditionelle Opern- und Operettenrepertoire, andererseits ist dieses jedoch durchsetzt von unterschiedlichen Inszenierungsstilen und wird beispielsweise auch durch Uraufführungen abendfüllender Auftragswerke in großer Besetzung sowie Vorstellungen kleiner experimenteller Formen ergänzt.
Grundlage der Untersuchung bildet eine exemplarische Auswahl von Ereignissen des zeitgenössischen Musiktheaters, wobei das Korpus aus Texten zu Ur- bzw. Erstaufführungen sowie zugehörigen Wiederaufnahmen besteht; der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf einer wissenssoziologischen Analyse der Spezialdiskurse, welche um die jeweiligen Ereignisse konstruiert werden. Innerhalb der betrachteten Diskurse lassen sich deutliche Wissensformationen erkennen, die explizit als Legitimationsstrategien fungieren oder implizit als solche gedeutet werden können. Zu solchen Strategien gehören u.a. ästhetische Urteile zur musikalischen und szenisch-konzeptionellen Qualität einer Aufführung, der verfassungsrechtlich verankerte Freiheitsanspruch der Kunst, der sich zum Beispiel im Autonomiegedanken einer Regieleistung manifestiert, oder auch die Verknüpfung einer gesellschaftspolitischen Dimension mit dem Dargebotenen. Ziel der Arbeit ist es, Legitimationsstrategien freizulegen, die für einzelne Gattungen des Musiktheaters oder auch gattungsübergreifend wirksam werden und den zeitgenössischen Musiktheaterdiskurs bestimmen.

Kontakt: c.wiese[at]posteo.de. Weitere Informationen und aktuelle Projekte von Carolin Wiese finden Sie hier.