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Abteilung für Digital Humanities

Screenshot aus dem BA-Projekt "Virtualisierung historischer Schattenspiele mit der Hilfe von Unity" (2018) von Enes Türkoglu

Seit einigen Jahren verfolgt die TWS eine differenzierte Digitalisierungsstrategie, die sowohl digitale Werkzeuge und Verfahren für die Katalogisierung und Sicherung von Sammlungsobjekten einsetzt, als auch in Forschungsprojekten die Modellierung von theaterwissenschaftlichen Metadatenstandards, Vokabularien und Ontologien vorantreibt. Unter der Leitung von Dr. Nora Probst setzt die Abteilung für Digital Humanities zudem digitale Tools zur Simulation von mit Objekten verbundenen Spielpraktiken oder zur Analyse von Netzwerken ein. Die TWS ist Mitglied im Konsortium der Nationalen Forschungsdaten-Initiative NFDI4Culture und nimmt teil am Linked Open Data Ecosystem for the Performing Arts (LODEPA). Die folgenden Beispiele sollen einen Eindruck von den vielfältigen Projekten in diesem Bereich vermitteln.

 

Das Projekt zielt auf die theaterwissenschaftliche Neuperspektivierung und Resystematisierung personenbezogener Bestände in den theaterhistorischen Sammlungen der Universität zu Köln und der Freien Universität Berlin sowie ergänzend der Theatermuseen Düsseldorf und München ab. Die gemeinsam mit dem Cologne Center for eHumanities (CCeH) entwickelte digitale Plattform eröffnet nicht nur Querverbindungen und Vergleichsmöglichkeiten der Bestände in den wichtigsten universitären Theatersammlungen und öffentlichen Theatermuseen in Deutschland – als solche ist sie offen und auch für zukünftige Projekte erweiterbar –, sondern sie schafft zudem ein Forschungsnetzwerk aus Theaterwissenschaftlichen Instituten, universitären Sammlungen und Museen. Ziel des Projekts ist es, das Spannungsverhältnis von Biographie und Geschichte zu untersuchen, um aus den biographischen Koordinaten eine Theatergeschichte zu erzählen, die quer zu den historisch anerkannten Epochengrenzen verläuft.
In Kürze werden auf der Projektwebseite erste Teilergebnisse des Verbundprojekts (Re-)Collecting Theatre History vorgestellt, das zwischen 2017 und 2020 im Rahmen einer Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung durchgeführt werden konnte.

Laufzeit: 2017-2020
Köln: Projektleitung im Verbund: Peter W. Marx; Verbundkoordination: Nora Probst; Methodisch-technische Beratung: Patrick Sahle, Jonathan Blumtritt (CCeH); Methodisch-technische Umsetzung: Andreas Mertgens, Enes Türkoglu
Berlin: Projektleitung: Doris Kolesch, Matthias Warstat; Projektkoordination: Vito Pinto

 

Das Ziel dieses Kooperationsprojekts zwischen der TWS und dem Center for eHumanities war die Erweiterung der E‑Learning Software ILIAS, mit der Lehrende 3D Objekte auswählen, explorieren, annotieren und verwalten können. Mithilfe eines 3D-Scanners des Rechenzentrums wurden in der TWS eine Vielzahl von Bühnenbildmodellen, Masken und Spielfiguren gescannt. Diese physischen Objekte, die an unterschiedliche Orte gebunden sind und sich an unterschiedlichen Speicherorten befinden, können über die E-Learning-Plattform für die Lehre zugänglich gemacht werden. Den Studierenden wird mit diesem Projekt ein niedrigschwelligerer Zugang als bisher zu forschungsrelevanten 3D Objekten als Lehrmaterial ermöglicht.

Unter https://kompakkt.de/home lassen sich erste Ergebnisse als vollwertige 3D-Modelle abrufen. Weitere Infos unter: https://www.researchgate.net

Laufzeit: 2017 – 2019; Projektleitung: Peter W. Marx, Øyvind Eide; Projektkoordination: Zoe Schubert, Enes Türkoglu, Nora Probst; Jan Wieners; Mitarbeiter: Kai Niebes, Benedikt Mildenberger.

 

 

Virtual Reality – spielerische Experimente mit Immersion und Raumerfahrung (seit 2018)

Basierend auf dem Projekt "Kompakkt – Lehre in 3D" wurden die 3D-Scans vom Rechenzentrum für die VR-Brille (Oculus Quest) aufbereitet. Die 3D-Objekte wurden so auf eine neue Art und Weise im digitalen Raum erfahrbar gemacht. In einer experimentellen Projektphase konnten Besucher_innen der TWS virtuell durch eine Auswahl von Bühnenbildmodellen wandeln und die digitalisierte Büste von Alice Guszalewiczs oder die No-Maske Hannya in die virtuelle Hand nehmen, um das Objekt von allen Seiten zu betrachten. Auf diesem Feld werden in Kürze weitere Versuche unternommen, VR als Forschungstool der Theaterwissenschaft und -historiografie zu nutzen.

 

 

Im Rahmen einer Bachelorarbeit hat Enes Türkoglu 2017/18 ein digitales Tool entwickelt, das unter dem Titel shadowthing Spieltechnik und Bewegungsrepertoire des traditionellen türkischen Schattenspiels Karagöz virtuell erforschbar macht. Grundlage dieses Projekts waren die rund 200 Karagöz-Schattenspielfiguren im Bestand der TWS. Die ca. 30 cm großen Figuren bestehen in der Regel aus mehreren beweglichen Körperteilen und sind aus dünn geschabtem Leder hergestellt, das aufgrund seiner bunten Bemalung eine expressive Leuchtkraft auf der Leinwand entwickelt. Statt die in säurefreien Mappen konservierten Figuren einer simplen digitalen Archivierung per Scanner und Metadatenerhebung zu unterziehen – und auf diese Weise lediglich ein weiteres ›lebloses‹ Abbild auf den Bildschirm zu bannen –, wurden die bunt bemalten Spielfiguren zunächst auf einem Leuchttisch liegend abfotografiert und mithilfe der Software Unity auf eine digitale, interaktive Schattenspielbühne überführt.
Weitere Infos zum Projekt: https://github.com/enestezi/shadowthing. Kontakt: enes.tuerkoglu[at]uni-koeln.de

 

 

Ein besonderer Teilbestand der Fotografien konnte 2014 dank der Förderung des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW erschlossen und erstmals der Forschung zugänglich gemacht worden: Es handelt sich um ca. 3.800 Glasplattennegative zur Theatergeschichte, vornehmlich aus der Zeit zwischen 1919 und 1932. Diese wurden gereinigt und in säurefreie Umschläge umgelagert, hochauflösend digitalisiert und in einer online zugänglichen Bilddatenbank katalogisiert. Die digitalen Tools stellten in diesem Projekt die Voraussetzung für die Erschließung dar, denn mit analogen Technologien, d.h. etwa mit Vergrößerungsapparat, Fotopapier und Entwicklerbad wäre das Projekt aus Kostengründen nicht umsetzbar gewesen. Digitale Verfahren haben hier also eine doppelte Funktion eingenommen: Sie stellen einerseits durch die Umwandlung des Digitalisats in ein Positiv einen Zugang zur Bildinformation sicher und bieten andererseits die Möglichkeit der Konservierung der Bildinformation, da einige chemische Prozesse und Auflösungserscheinungen der Emulsion in den Originalen nicht nachhaltig gestoppt werden konnten.
Zu den meisten der vorliegenden Negativplatten gab es vorher keine Positivabzüge, d.h. der Bestand war tatsächlich für die Forschung zu ‚entdecken‘. Bei den Abbildungen handelt es sich vor allem um Aufführungen Münchner Theater, darunter Aufnahmen der Wagner- und Mozart-Festspiele 1929-1931, des weiteren um Kriegstheaterfotografien des Ersten Weltkriegs sowie um Rollenporträts bekannter Künstlerinnen und Künstler wie etwa Alfred von Bary, Fritz Brodersen, Karl Erb, Berta Morena, Ernst von Possart, Delia Reinhardt oder Otto Wolf.

Das Bestandsverzeichnis samt der Digitalisate können Sie online einsehen unter http://bestand.tws.uni-koeln.de/collections/show/7.

Laufzeit: 2013/14; Projektleitung: Peter W. Marx, Projektkoordination: Nora Probst; Methodisch-technische Beratung: Patrick Sahle, Peter Dängeli (Cologne Center for eHumanities, CCeH); Methodisch-technische Umsetzung: Enes Türkoglu